Medizin-IT

Telematik­infrastruktur in der Arztpraxis: was Sie wirklich brauchen.

Konnektor, Kartenterminal, SMC-B, KIM, ePA: Die TI ist Pflicht und Alltag zugleich. Dieser Beitrag ordnet die Bausteine, erklärt die TI-Pauschale und zeigt, wo Praxen im Betrieb hängen bleiben.

Schematische Darstellung der Telematikinfrastruktur: Konnektor im Zentrum, verbunden mit Kartenterminals, Praxissoftware und der zentralen TI

Kaum ein Thema löst in Arztpraxen so viel Unruhe aus wie die Telematikinfrastruktur. Dabei ist die Technik dahinter weniger kompliziert, als die Abkürzungen vermuten lassen. Wer die Bausteine kennt, versteht auch, warum der Konnektor manchmal rot blinkt, wo die TI-Pauschale endet und welche Anwendungen bis Ende 2026 laufen müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die TI verbindet Ihre Praxis mit Krankenkassen, Kliniken, Apotheken und anderen Praxen. Ohne Anschluss sind E-Rezept, eAU und ePA nicht möglich.
  • Kern der Anbindung sind Konnektor oder TI-Gateway, Kartenterminals, die Praxis-Karte SMC-B, der Heilberufsausweis eHBA und die Anbindung in der Praxissoftware.
  • Seit Juli 2023 gibt es statt Einzelerstattungen eine monatliche TI-Pauschale, gestaffelt nach Praxisgröße. Sie deckt Betrieb, Anwendungen und den Austausch alter Komponenten ab.
  • Die meisten Störungen entstehen nicht in der TI selbst, sondern an den Übergängen: Netzwerk, Firewall, Zertifikate und Updates der Praxissoftware.

Was die Telematikinfrastruktur ist und warum sie Pflicht ist

Die Telematikinfrastruktur, kurz TI, ist das geschlossene Datennetz des deutschen Gesundheitswesens. Betrieben wird es unter Aufsicht der gematik, die Standards, Zulassungen und Sicherheitsanforderungen festlegt. Über die TI tauschen Praxen, Kliniken, Apotheken, Krankenkassen und weitere Leistungserbringer Daten aus, ohne das offene Internet zu nutzen. Jeder Zugang ist kryptografisch abgesichert und an Karten gebunden, die Personen und Institutionen eindeutig ausweisen.

Für vertragsärztliche Praxen ist der Anschluss keine Option, sondern gesetzliche Pflicht. Wer nicht angebunden ist, muss mit Honorarkürzungen rechnen und kann zentrale Anwendungen nicht nutzen: das elektronische Rezept, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und seit 2025 die elektronische Patientenakte für alle Versicherten. Die TI ist damit kein IT-Projekt am Rand, sondern Teil der Abrechnung und der Versorgung.

Wichtig für die Praxisleitung: Die TI ersetzt nicht Ihre Praxis-IT, sie setzt darauf auf. Ein stabiles Netzwerk, gepflegte Arbeitsplätze und eine aktuelle Praxissoftware sind Voraussetzung. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Anbindung, die einfach läuft, und einer, die jede Woche Zeit kostet. Mehr dazu in unserem Beitrag zur KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie, die viele dieser Grundlagen verbindlich vorschreibt.

Die Komponenten: Was in der Praxis stehen muss

Eine TI-Anbindung besteht aus wenigen, klar definierten Bausteinen. Wer sie einmal zuordnen kann, versteht auch jede Fehlermeldung besser.

Konnektor oder TI-Gateway

Der Konnektor ist die Brücke zwischen Praxisnetz und TI. Klassisch steht er als Gerät im Serverraum oder Technikschrank. Seit einigen Jahren gibt es Alternativen: Rechenzentrums-Konnektoren und das TI-Gateway, bei dem die Verbindung zentral gehostet wird und in der Praxis nur noch ein kleiner Zugang bleibt. Beide Varianten sind zugelassen. Welche sinnvoll ist, hängt von Praxisgröße, Standortzahl und dem Zustand der bestehenden Geräte ab. Viele Konnektoren der ersten Generation haben ihre Zertifikatslaufzeit erreicht und müssen ohnehin ersetzt werden.

Kartenterminals

Stationäre Kartenterminals lesen die elektronische Gesundheitskarte der Patienten ein und halten die Praxiskarte SMC-B vor. Mobile Terminals braucht es für Hausbesuche. Faustregel: ein Terminal je Anmeldeplatz und je Behandlungsraum, in dem Karten gesteckt werden. Zu wenige Terminals sind eine häufige Ursache für Wartezeiten an der Anmeldung.

SMC-B und eHBA

Die SMC-B ist der Praxisausweis. Sie identifiziert die Betriebsstätte gegenüber der TI und muss dauerhaft in einem Terminal stecken. Der elektronische Heilberufsausweis eHBA ist personenbezogen und wird für qualifizierte Signaturen gebraucht, etwa beim E-Rezept, bei der eAU und beim eArztbrief. Beide Karten haben Laufzeiten. Läuft eine Karte ab, steht die Praxis still. Die Termine gehören deshalb in den Kalender der Praxisleitung, nicht nur in den des Dienstleisters.

VPN-Zugangsdienst und Praxissoftware

Der VPN-Zugangsdienst stellt den verschlüsselten Tunnel in die TI her, meist gebündelt mit dem Konnektor. Die Praxissoftware schließlich ist der Ort, an dem TI-Anwendungen im Alltag stattfinden. Sie steuert Konnektor und Terminals, erstellt E-Rezepte, befüllt die ePA und versendet über KIM. Wie gut die TI funktioniert, entscheidet sich zu einem großen Teil in der Software. Bei einem Wechsel der Praxissoftware muss die TI deshalb von Anfang an mitgeplant werden.

Die Anwendungen: Was über die TI läuft

Die Infrastruktur ist Mittel zum Zweck. Entscheidend sind die Anwendungen, die darauf aufsetzen. Stand September 2026 gehören dazu:

  • Versichertenstammdatenmanagement (VSDM): Beim Einlesen der Gesundheitskarte werden die Stammdaten online geprüft und aktualisiert. Das ist die Basisanwendung jeder Praxis.
  • E-Rezept: Seit 2024 verpflichtend für apothekenpflichtige Arzneimittel. Signatur mit dem eHBA, Einlösung per Gesundheitskarte, App oder Ausdruck.
  • eAU: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung geht direkt an die Krankenkasse, der Arbeitgeber ruft sie dort ab.
  • ePA für alle: Seit 2025 erhält jede versicherte Person eine Patientenakte, sofern sie nicht widerspricht. Praxen befüllen sie mit Befunden, Arztbriefen und Medikationsdaten.
  • KIM: Der sichere E-Mail-Dienst der TI für Arztbriefe, Befunde, eAU und den Austausch mit Kollegen. Wie die Einrichtung abläuft, steht in unserem Beitrag KIM in der Arztpraxis einrichten.
  • Notfalldaten und Medikationsplan: Auf der Gesundheitskarte gespeicherte Daten, die perspektivisch in die ePA wandern.
  • TI-Messenger: Der Chat-Dienst für die schnelle Abstimmung zwischen Leistungserbringern, zunehmend in Praxissoftware integriert.

Für jede Anwendung gilt: Sie muss in der Praxissoftware freigeschaltet, mit dem Konnektor verbunden und vom Team beherrscht werden. Technisch ist die Freischaltung meist ein kleiner Schritt. Der größere Aufwand ist der Prozess in der Praxis, etwa wer signiert, wann die ePA befüllt wird und wie das Team bei Rückfragen reagiert.

TI-Pauschale: Was erstattet wird und was nicht

Bis Mitte 2023 wurden Konnektor, Terminals und Anwendungen einzeln erstattet. Seit dem 1. Juli 2023 gilt die TI-Pauschale: ein monatlicher Betrag je Praxis, gestaffelt nach Zahl der Ärztinnen und Ärzte und nach dem Alter der Anbindung. Die Pauschale deckt den laufenden Betrieb, die Nutzung der Anwendungen und den regelmäßigen Austausch der Komponenten ab. Ausgezahlt wird sie über die Kassenärztliche Vereinigung, allerdings nur dann in voller Höhe, wenn die Praxis alle vorgeschriebenen Anwendungen nachweislich nutzt.

PositionÜber die Pauschale abgedeckt?Hinweis
Konnektor oder TI-Gateway, BetriebJaAustausch nach Zertifikatsablauf ist Teil der Pauschale
KartenterminalsJa, im Rahmen der StaffelZusätzliche Terminals über den Bedarf hinaus trägt die Praxis
SMC-B, eHBAJaLaufzeiten beachten, Neuanträge dauern mehrere Wochen
Anwendungen (E-Rezept, ePA, KIM, eAU)JaNachweis der Nutzung ist Voraussetzung für die volle Pauschale
Praxisnetzwerk, Firewall, ArbeitsplätzeNeinPraxis-IT ist Voraussetzung, aber nicht Teil der TI-Erstattung
Schulung und ProzessberatungNeinWird oft unterschätzt, macht aber den Unterschied im Alltag

Die konkreten Beträge werden zwischen KBV und GKV-Spitzenverband vereinbart und angepasst. Ihre KV nennt den aktuellen Stand. Wichtig ist der Mechanismus: Wer Pflichtanwendungen nicht nutzt, bekommt Abzüge. Die Pauschale ist damit auch ein Anreiz, die TI nicht nur zu haben, sondern zu nutzen.

Praxistipp

Legen Sie sich eine einfache Übersicht an: Welche Komponente hat welches Ablaufdatum, welcher Vertrag läuft bei welchem Anbieter, welche Anwendungen sind freigeschaltet. Eine Seite genügt. Sie erspart Ihnen im Störungsfall die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner.

Typische Störungen und ihre Ursachen

Aus der Betreuung von Praxen im Raum Karlsruhe, Ettlingen und Speyer kennen wir die Muster gut. Die wenigsten Störungen liegen in der TI selbst. Meistens hakt es an den Übergängen zwischen TI und Praxis-IT.

  • Abgelaufene Zertifikate: Konnektor, SMC-B und eHBA haben Laufzeiten. Ein abgelaufenes Zertifikat äußert sich nicht als klare Meldung, sondern als „Verbindung nicht möglich“. Ein Kalender mit Erinnerungen verhindert das.
  • Firewall und Netzwerk: Nach einem Routerwechsel oder einem Firmware-Update sind Ports geschlossen, die der Konnektor braucht. Auch doppelte IP-Adressen oder ein neues WLAN-Segment können die Verbindung kappen.
  • Updates der Praxissoftware: Neue Versionen ändern die Kommunikation mit dem Konnektor. Wird ein Update ohne Test eingespielt, fallen E-Rezept oder KIM aus, während der Rest weiterläuft.
  • Kartenterminals: Ausgesteckte oder falsch gepairte Terminals sind die häufigste Ursache für „Karte wird nicht erkannt“. Oft reicht ein Neustart in der richtigen Reihenfolge.
  • Stromausfall und Neustart: Konnektoren starten nicht immer sauber, wenn Netzwerk und Server noch nicht bereit sind. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und eine definierte Startreihenfolge lösen das.

Der entscheidende Punkt: Für Konnektor, Terminals, Praxissoftware und Netzwerk sind häufig vier verschiedene Anbieter zuständig. Jeder prüft seinen Teil und meldet „bei uns ist alles in Ordnung“. Die Praxis steht trotzdem. Ein Ansprechpartner, der das Gesamtsystem verantwortet, ist deshalb keine Bequemlichkeit, sondern die kürzeste Wiederanlaufzeit.

Der Ausblick: TI 2.0 und was Praxen jetzt vorbereiten sollten

Die gematik entwickelt die TI schrittweise in Richtung einer Zero-Trust-Architektur weiter. In dieser TI 2.0 sollen Konnektoren als Praxisgeräte entfallen. Die Identität wird künftig über digitale Identitäten und zentrale Dienste sichergestellt, der Zugang läuft über Software und gehostete Gateways. Für Praxen bedeutet das weniger Hardware vor Ort, aber höhere Anforderungen an das eigene Netzwerk, an Endgeräte und an die Verwaltung von Identitäten.

Wer jetzt in einen Konnektor-Austausch geht, sollte deshalb prüfen, ob ein TI-Gateway die zukunftssicherere Wahl ist. Und wer die Praxis-IT ohnehin überarbeitet, etwa im Zuge einer Praxisübernahme, sollte die TI von Beginn an als Teil des Gesamtkonzepts denken, nicht als nachgelagerte Pflicht.

Achtung

Stichtage und Sanktionen ändern sich. Prüfen Sie Fristen zu ePA, E-Rezept und TI-Messenger regelmäßig bei gematik und KBV. Was hier steht, gilt mit Stand September 2026.

Häufige Fragen zur Telematikinfrastruktur

Was gehört alles zur Telematikinfrastruktur in einer Arztpraxis?

Zur Anbindung gehören Konnektor oder TI-Gateway, ein VPN-Zugangsdienst, Kartenterminals, die Praxiskarte SMC-B, der elektronische Heilberufsausweis eHBA und die Integration in die Praxissoftware. Darauf setzen die Anwendungen auf: VSDM, E-Rezept, eAU, ePA, KIM, Notfalldaten, Medikationsplan und TI-Messenger.

Was kostet die Telematikinfrastruktur und was zahlt die KV?

Seit Juli 2023 gibt es eine monatliche TI-Pauschale, gestaffelt nach Praxisgröße und Alter der Anbindung. Sie deckt Betrieb, Anwendungen und den Austausch der Komponenten ab. Nicht enthalten sind Praxisnetzwerk, Arbeitsplätze, Firewall und Schulung. Die Beträge legt die Vereinbarung zwischen KBV und GKV-Spitzenverband fest, Ihre KV nennt den aktuellen Stand.

Brauche ich noch einen Konnektor oder reicht ein TI-Gateway?

Beides ist zugelassen. Der klassische Konnektor steht in der Praxis, beim TI-Gateway läuft die Verbindung über ein Rechenzentrum und in der Praxis bleibt nur ein kleiner Zugang. Beim anstehenden Austausch eines alten Konnektors ist das Gateway oft die zukunftssicherere Wahl, weil die TI 2.0 ohne Praxiskonnektoren geplant ist.

Warum ist der Konnektor offline, obwohl das Internet funktioniert?

Meist liegt es an abgelaufenen Zertifikaten, an geänderten Firewall-Regeln nach einem Router- oder Firmware-Update, an einer falschen Startreihenfolge nach Stromausfall oder an einem Praxissoftware-Update, das die Verbindung zum Konnektor verändert hat. Ein Blick auf Zertifikatslaufzeiten und Netzwerk klärt die meisten Fälle.

Welche TI-Anwendungen sind Pflicht?

Verpflichtend sind derzeit das Versichertenstammdatenmanagement, das E-Rezept für apothekenpflichtige Arzneimittel, die eAU und die Befüllung der ePA für alle. KIM ist für eAU und Arztbriefe faktisch Voraussetzung. Wer Pflichtanwendungen nicht nutzt, bekommt Abzüge bei der TI-Pauschale.

Wie lange dauert der Anschluss einer neuen Praxis an die TI?

Rechnen Sie mit sechs bis zehn Wochen, vor allem wegen der Beantragung von SMC-B und eHBA. Bei einer Praxisgründung sollten Sie die Karten als Erstes beantragen, noch bevor Netzwerk und Software stehen. Die technische Einrichtung selbst dauert dann nur ein bis zwei Tage.

Nächster Schritt

TI-Check für Ihre Praxis

In einem kurzen Erstgespräch klären wir, ob Ihre TI-Anbindung aktuell, stabil und vollständig erstattungsfähig ist. Ohne Verpflichtung, mit klarer Empfehlung.

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